Projekt für Schulverweigerer kann fortgeführt werden

Zweite Chance für „Zweite Chance“

Sparkassentermin2
Die Allgemeine Zeitung berichtete am 4.12.2014 auf der Kreisseite über die Weiterführung des Projekts.

…hier der Artikel von Herrn Detlef Scherle

SENDEN. Es stand schlecht um das Projekt „Zweite Chance“ für Schulmüde und -verweigerer im Kreis Coesfeld. Nach drei Jahren lief in diesem Jahr die Bundesförderung aus. Doch durch eine gemeinsame Kraftanstrengung in der Region – und mit Hilfe des Landes – kann die erfolgreiche Arbeit des „Havixbecker Modells“ nun doch zumindest für ein Jahr lang fortgeführt werden. „60 Prozent kommen vom Kreis Coesfeld, 30 Prozent vom Land und 10 Prozent an Eigenmitteln müssen wir selbst aufbringen“, erklärte Mitarbeiter Jochen Schwenken gestern das neue Finanzierungsmodell. Und beim Eigenbeitrag springt auch ein Partner aus der Region in die Bresche: Mit 10 000 Euro unterstützt die Sparkasse Westmünsterland das Projekt, an dem in den vergangenen drei Jahren bereits 90 Jugendliche teilgenommen haben.

Betreut wurden sie von Jochen Schwenken und seiner Kollegin Bettina Säger. Aktuell kümmern sie sich um 16 Zwölf- bis 18-Jährige, die häufig die Schule schwänzen oder nur körperlich im Unterricht anwesend sind. Zwar musste der Umfang von anderthalb auf zwei halbe Stellen gekürzt werden. Aber: „Es geht weiter!“ freute sich auch Vereinsvorsitzender Hermann Roters.

Warum das Projekt so wichtig ist, erläuterten die Beteiligten gestern bei einem Termin an der Edith-Stein-Schule in Senden, die schon von Anfang an dabei ist. „Nicht weil wir besonders viele Schulverweigerer haben“, wie Schulleiter Rainer Leifken unterstrich – „ganz im Gegenteil“. Es gehe ihm vielmehr darum, Probleme schon früh zu erkennen und gegenzusteuern. Er sieht in dem Projekt eine gute Ergänzung der Schulsozialarbeit.

Insgesamt machen fünf Einrichtungen bei dem Projekt mit. Neben der Hauptschule aus Senden auch die Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck, die Profilschule Ascheberg sowie die Gemeinschaftshauptschulen Billerbeck und Lüdinghausen. Dass es nur fünf sind, liegt nicht an mangelndem weiteren Interesse, sondern an den Kapazitäten. „Andere Schulen können wir nur beraten – eine intensive Arbeit mit den Schülern ist nicht möglich“, so Schwenken.

Wie sieht die Arbeit konkret aus? Zunächst versuchen die Mitarbeiter des „Havixbecker Modells“ ein Vertrauensverhältnis zu den Schülern aufzubauen. Nicht selten wird zunächst die Mitarbeit verweigert. Gemeinsam mit den Schülern, nicht von oben herab, werden die meist vielfältigen Gründe, die zur Schulverweigerung führten, analysiert. „Es gibt immer berechtigte Gründe für so ein Verhalten“, so Schwenken. Die Palette reicht von psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen über Mobbing und Misserfolg in der Schule bis hin zu Problemen im Freundeskreis oder in der Familie (zum Beispiel Trennund der Eltern oder Tod eines nahen Angehörigen). Punkt für Punkt werden diese bearbeitet, wenn nötig mit psychotherapeutischer Unterstützung. Auch die Eltern und Lehrer werden einbezogen. In rund 90 Prozent der Fälle gelingt es, das Ruder herumzureißen. Eine hohe Erfolgsquote, auf die die Mitarbeiter des „Havixbecker Modells“ zu Recht stolz sein können.

„Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen, die sich oft schon im freien Fall befinden, aufgefangen und intensiv unterstützt werden“, begründete Dr. Matthias Bergmann, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Westmünsterland das Engagement des Instituts in dieser Sache. Auch Filialdirektor Rainer Tenholt aus Senden zeigte sich beeindruckt von dem Projekt. Eine zweite Chance für die Schulverweigerer gebe manchen Lebensläufen eine gute Wendung, hin zu einem Schulabschluss und damit Chancen für einen Ausbildungsplatz.

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